Höhlenbeschreibung geologisch

Spannagelhöhle am Hintertuxer Gletscher

 

Eine detaillierte Beschreibung der Höhlenabschnitte ist nicht Gegenstand dieses Artikels. Es soll hier nur ein Abriss der wesentlichen Gangsysteme erfolgen. Außerdem liegt es in der Natur der Sache, dass diese Beschreibung bald überholt sein kann, da die Exploration der Höhle kontinuierlich voranschreitet.

Räumliche Anlage des Höhlensystems

Wie bereits ein flüchtiger Blick auf den Grundriss des derzeit bekannten Höhlennetzes zeigt, folgen die Gänge klar zwei Hauptrichtungen: einer WSW- bis Westrichtung und einer Nordrichtung. Man kann sich die räumliche Lage des Höhlensystems veranschaulichen, indem man sich die Gesteinsschicht des Hochstegenmarmors vorstellt, die sowohl nach Westen als auch nach Norden geneigt ist, also etwa nach NNW einfällt.

Der Eingang direkt beim Spannagelhaus ist somit der höchste Punkt des Systems. Von dort ziehen die Gangsysteme nach Westen bis zum ÖTK-Schacht hinunter. Parallel dazu gibt es einen zweiten Eingang, die Schneefleck-Höhle, deren Fortsetzung, der Gneisbach, ebenfalls unter die markante Ufermoräne des Gletscherstandes von 1850 hinunterzieht.

Beide Bäche, der Kolkgangbach und der Gneisbach, sind saisonal wasserführend und legen die Basis des Marmors frei. Der ÖTK-Schacht, der derzeit größte Schacht des Systems mit 22 m Tiefe, ist an das steile, flexurartige Abbiegen der Schichten gebunden.

Westsystem

An den ÖTK-Schacht schließt die Hermann-Gaun-Halle an, die auf eine auffallend stark versinterte Querstrecke im Bereich der Spreizschlucht trifft. Am Fuß dieses Canyons wurde ein großer Kolk ausgegraben, der nun als Wasserreservoir für das Spannagelhaus dient. Es handelt sich um die Wasserfassung III; die beiden anderen Wasserfassungen befinden sich im Kolkgang.

Von dort zieht ein Hauptstrang des Höhlensystems gegen Westen hinunter, wobei Canyons dominieren. Im Bereich Tunnel der Hoffnung ist eine schöne, fast kreisrunde Röhre erhalten geblieben, die höhlengenetisch von Bedeutung ist. Lokal treten kleinere, mehr oder weniger aktive Versinterungen auf, so beispielsweise in der Märchenwelt.

Der westlichste Punkt, das Bauchbad, liegt 871 m westlich des Einganges und 326 m tiefer als dieser. Die Überlagerung durch den Zentralgneis beträgt an dieser Stelle bereits ca. 190 m.

Nördliche Gangsysteme

An dieses Westsystem schließen sich nach Norden drei weitere, mehr oder weniger parallel verlaufende Gangsysteme an: der enge Gneisbach, der Plattengang sowie das erst seit kurzem erforschte Millenniumsystem.

Der Plattengang ist ein fossiles System, das in starkem Zerfall begriffen ist und vom 95er-Fenster in Richtung Hexenküche hinunterzieht. Das erst im Jahr 2000 entdeckte Millenniumsystem bildet eine Verbindung in WSW-Richtung zwischen dem nördlichen Spinnengang und dem 95er-System.

95er-System und Nordsystem

Das 95er-System war der große Durchbruch bei der Exploration der Spannagelhöhle. Dieses 95er- oder Nordsystem beginnt am gleichnamigen 95er-Fenster dort, wo der Plattengang auf den Christine-Kapfinger-Dom trifft.

Es schließen verwinkelte, schön ausgebildete Gänge an, die von den Sandschlüfen unterbrochen werden. Abzweigungen nach Westen oder Osten sind bescheiden, mit Ausnahme des Porzellanladens. Südlich davon kann man vom Hauptsystem in ein unterlagerndes System an der Marmorbasis absteigen, das in seinen südlichen Abschnitten noch nicht vollständig vermessen ist und drei kurze Schächte umfasst.

Eine größere Abzweigung vom höher gelegenen Gangsystem ist der Tropfsteingang, der ebenfalls verwinkelt in einem Sandschluf endet. Im Tropfsteingang finden sich schöne, zum Teil eindeutig aktive Sinterbildungen. Eine südlich davon abgehende Strecke führt zum Sintertor, das wesentlich kleiner und enger ist, als der Name vermuten lässt. Von dort wurde bereits eine Verbindung zurück zum unterlagernden Hauptsystem begangen.

Kristallgänge und Spannagelhalle

Von der Abzweigung zum Tropfsteingang fällt das Niveau des Nordsystems stufenweise bis zu den Kristallgängen ab und befindet sich stets nahe an der Grenze zum hangenden, basal stark verschieferten Zentralgneis.

Östlich der Kristallgänge wurden im Jahr 2002 eine Reihe neuer Gänge entdeckt. Sie fallen zum Teil analog zum Westsystem nach Westen ein, verbinden zum Teil aber auch zurück nach Süden mit dem unterlagernden Nordsystem.

Von den Kristallgängen, benannt nach den glitzernden Überzügen aus Gips, gelangt man einerseits durch den Klufttunnel in Richtung Spannagelhalle. Andererseits führt eine längere Abzweigung tiefer hinunter nach Nordwesten.

Vor der Spannagelhalle befindet sich noch die schräg angelegte Blockhalle, erfüllt mit großen Marmorblöcken, die sich an der Decke gelöst haben. Dort verläuft die Gesteinsgrenze. Die Spannagelhalle selbst ist die weiteste Halle der Höhle; ihr Boden ist im hinteren Teil mit Sand und Geröllen bedeckt.

Im vorderen Teil befindet sich ein großer, stumpfkegeliger Stalagmit, wahrscheinlich der größte des Höhlensystems. Von der Halle gehen mehrere Fortsetzungen ab, die zum Teil nahe an die Oberfläche führen.

TÄGLICH TOUREN & FÜHRUNGEN

Schauhöhlenführung ca. 1 Stunde
im Mai auf Anfrage

ohne Anmeldung:
ab 01.06. täglich um 12:00, 13:00 und 14:00 Uhr
ab 10.07. täglich 10:00 bis 15:00 Uhr zur vollen Stunde
ab 10.09. täglich um 11:00, 12:00, 13:00 und 14:00 Uhr
15.10. - 30.04.
täglich um 12:00, 13:00 und 14:00 Uhr - Samstag Ruhetag


leichte Tour ohne Klettern
gänzjährig mit Voranmeldung


sportliche Trekkingtour mit Klettersteig
Anfang Juni bis Ende November mit Voranmeldung 

 

Änderungen vorbehalten



KONTAKT

SPANNAGELHÖHLE

Familie Anfang

6293 Tux

T +43 5287 87251

[email protected]

www.spannagelhoehle.at


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WICHTIGER HINWEIS
Die Spannagelhöhle befindet sich am Hintertuxer Gletscher etwas unterhalb der Sektion II Tuxer Fernerhaus, direkt beim Spannagelhaus.
Für die Auffahrt mit der Gletscherbahn und den Weg zur Höhle bitte mindestens 40 Minuten einplanen.

Winterfeste Kleidung und Schuhe nötig, ggf. Wanderstöcke!

🐾 Hunde sind in der Höhle nicht erlaubt!